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2010/12/12

La Graciosa - die achte Kanareninsel

Gelbliches, karges Land, ein Dörfchen mit weißen Häusern und langen Hafenmauern, links ein Berg, in der Mitte ein dunkler Vulkankegel, rechts nochmals zwei Vulkankrater: so kennen die meisten Lanzarote-Urlauber die Insel La Graciosa. Vom Mirador del Río aus, dem von César Manrique entworfenen Aussichtsrestaurant hoch oben auf den Felsen der Nordspitze Lanzarotes, bestaunen sie den fantastischen Blick auf die Inseln des Chinijo-Archipels, schießen einige Fotos und setzten dann ihre Rundreise weiter fort.

Nur wenige Individualtouristen oder Tagesausflügler besuchen das etwa 27 km² große Inselchen tatsächlich. Sie entdecken eine Welt der Stille: einen kleiner Fischerort, eine karge Landschaft und einige wunderschöne Strände. Die Einsamkeitsgarantie für die Insel wird wohl auch bleiben: seit 1986 stehen die Inseln La Graciosa, Alegranza, Montaña Clara, Roque del Oeste und Roque del Este unter Naturschutz.


Caleta del Sebo ist ein Ort schlichter weißer Häuser, mit kleinen Gäßchen und sandbedeckten Straßen. Von Möwenschreien akzentuierte Stille, gelegentlich tuckernde Motoren, wenn eines der Boote zum Fang ausläuft, die Geräusche von Wind und Brandung - viel mehr gibt es nicht.

Die etwa 550 Gracioseros leben vom Fischfang: mit den kleineren Boote wird im Río, der strömungsreichen Wasserarm zwischen Graciosa und Lanzarote und an den kleinen Inseln gefischt, die Flotte der Fischereigenossenschaft läuft zu den reichen Fanggründen vor den Küsten Afrikas aus.

Nirgendwo wird die enge Beziehung dieser Menschen zum Meer sichtbarer als in der schlichten Kirche der Insel. Christus und die Virgen del Mar stehen auf einem Boot, über dem Netze gespannt sind, der Altar ruht auf einem Anker, als Kerzenständer dienen geschnitzte Fische, die Kanzel besteht aus einem Steuerrad. Ein Schildkrötenpanzer, der auf einer Reuse steht, ist das Taufbecken für die Inselkinder.

Zwischen den Vulkankegeln der Inselmitte liegen einige wenige Felder. Wind, Sonne, Steine und Sand sind die Komponenten der trockenen Landschaft. Wenige, anspruchslose Büsche und eine Unmenge kleiner Schneckenhäuser bedecken den Boden. Nach fast anderthalb Stunden Fußmarsch erreicht man den schönsten Strand der Insel. Goldgelber Sand, von schwarzen Lavafelsen eingerahmt, vom roten Vulkankegel der Montaña Bermeja überragt, gegenüber der kahlen Felsen der Insel Montaña Clara - das ist die Playa de las Conchas am Nordwestende Graciosas. Den mächtigen, türkisgrünen Atlantikwellen, die sich an diesem einsamen Strand brechen, sollte allerdings mit Respekt begegnet werden. Sicherer badet man an den Stränden der Südostküste.

Friends walking - 
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Abendspaziergang : zeitspuren

Fernab der Zivilisation ist das Leben der Gracioseros aber nicht. Große Antennen auf den Dächern sorgen für die Funkkontakte mit den Fischerbooten, mehrere Fähren täglich verbinden die Insel mit Lanzarote. Die Erweiterung des Hafens und ein großes Kühlhaus für den Fisch sind 1991 eingeweiht worden; Wasserleitungen und Strom vom "Festland" Lanzarote versorgen die Insel, für Notfälle gibt es einen Hubschrauberlandeplatz.

Abends, wenn die Felsen der Famara-Steilküste im späten Licht der Sonne leuchten, wird die sonst so stille Insel lebendig. Man trifft sich zum Plausch oder zum Bocciaspiel im Hafen, später dann wird in der Bar "El Marinero" - wie sollte sie sonst heißen - auf den hoffentlich guten Fang angestoßen. Und jeden Samstagabend ist Inseldisco.
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